6.3.2 Die Geschichte Pirnas

Besiedlung

Schon vor der Stadtgründung um 1200 bestanden in Pirna Ansiedlungen. Im Bereich Kirchplatz 9a wurden Spuren einer frühmittelalterlichen Siedlung des 10. Jahrhunderts gefunden, an der Schloßstr.6 kam die Grube eines etwa aus gleicher Zeit stammenden Hauses zutage.Wahrscheinlich gab es auf der Anhöhe des heutigen Sonnensteins weit vor ihrer Erwähnung als Burg eine slavische Burgwarte. Die frühe Existenz dieser Wehranlage führte mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer nachgeordneten Dienstmannensiedlung unterhalb der Burg. Die Schifftorvorstadt könnte sich aus einer deutschen oder slawischen Kolonie von Schiffern u. Fischern entwickelt haben. Etwas abseits von der Burg, im Gebiet der Breiten Straße, bildete sich wahrscheinlich in Form eines Straßenmarktes eine Kaufmannssiedlung heraus. Dort befand sich auch die Nicolaikirche. 

Pirna Marktplatz alt

Stadtgründung

In das Licht archivalischer Quellen tritt Pirna erstmals im März 1233. Eine Urkunde des Bischofs Heinrich von Meissen, deren Inhalt die Stadt gar nicht betrifft, nennt am Ende des Textes einen Priester Gottschalk aus Pirna (”godeschalcus de pne, plebanus”) als Zeugen für die Richtigkeit des aufgeschriebenen Vorganges. Stadtgründer ist wohl Heinrich der Erlauchte, Markgraf von Meissen. Er urkundete hier erstmals. So erwähnt ein Schriftstück aus dem Jahre 1245 einen Bürger (”burgensis”) aus Pirna, so dass die junge Ansiedlung spätestens zu diesem Zeitpunkt Stadtrecht besessen hat. Es wird jedoch angenommen, daß die Stadt schon Ende des 12.Jahrhunderts als eine staufische Gründung im Zusammenhang mit dem Ausbau des 1142 von Böhmen zurückerlangten Reichslandes Nisan entstanden ist.

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Stadtwappen u. Stadtname

Frühere Namen von Pirna waren Pern, Perne, Perna, Pernis, Pernaw und Pyrn. Die Ableitung des Namens von dem auf dem Stadtwappen dargestellten Birnbaum ist nicht nachgewiesen, eher läßt sich der Name aus dem sorbischen ableiten “ na pernem “ heißt “ auf dem harten Stein”. Pirna erhielt das Stadtwappen 1549 von dem späteren Kaiser Ferdinant I.

Pirna Stadtsiegel 1299

Stadtsiegel von 1299

Stadtentwicklung

Pirna Stadtsiegel 1335

Stadtsiegel von 1335

wappen

Stadtsiegel heute

Pirna Stich 1

Stadtansicht von Dilich, 1628. Zu dieser Zeit verbrachte Jonas Stohn seine Kindheit vermutlich hier in Pirna.

Die Ostexpansion wurde gefördert u. es kam im 12.u.13. Jahrhundert zu einer verstärkten Einwanderung aus dem Westen. Begünstigt durch das Aufeinandertreffen mehrerer Hanelswege und den Schutz der Burg blühte Pirna zu einem oberelbischen Handelszentrum auf. Dabei spielte das im 13 Jh. erlassene Stapelrecht als Privileg für die Stadt eine bedeutende Rolle. Dieses sagte aus, daß alle Waren, welche die Straßen Pirnas und die Elbe passierten, erst 3 Tage in der Stadt zum Verkauf angeboten werden mussten, ehe sie weitertransportiert wurden. Bis 1639 (jähes Ende durch die Besetzung u. Plünderung durch die Schweden) gelangte Pirna durch Handel u. meisterhaftes Können vieler in Zünften organisierten Handwerker zu einem Wohlstand, der noch heute in der Architektur der Altstadt wiederzuerkennen ist. Auf Grund des Reichtums der Stadt konnte die Kirche St. Marien (mit 62 m damals das  höchste Gebäude der Stadt) erbaut werden, wie auch die großen Bürgerhäuser mit ihren zahllosen Portalen. Nahe Pirna wurde Sandstein gebrochen u. in Pirna verarbeitet, großteils verschifft u. außerhalb verkauft. Auch Eisenwaren waren in Pirna ein wichtiges Handelsgut.                                                                                                                                                   Über 100 Jahre, von 1294 bis 1405, stand Pirna unter böhmischer Herrschaft. Mit dem entgültigen Übergang an die Mark Meißen begann die Entwicklung der Stadt zum Verwaltungszentrum für die Umgebung. Das Amt Pirna umfaßte im 16. bis 19. Jh. den gesamten linkselbischen Teil des heutigen Landkreises. Sitz der Administration war lange Zeit die Burg bez. das Schloß, hier walteten die Vögte u. Amtsmänner. Um 1300 siedelten sich Dominikanermönche, die aus Leipzig kamen, an u. gründeten in Pirna ein Kloster ( heute Klosterkirche St. Heinrich ).

Portal 1a

Sandsteinportal aus der Zeit von 1544 - 1563

Engelserker b

Das Engelserkerhaus

Pirna  Altbausanierung

Die gesamte Altstadt von Pirna steht unter Denkmalschutz und wird nach und nach restauriert.

Lage Pirnas

Pirna-Posta

Blick von Pirna-Posta zur gegenüberliegenden Stadt Pirna.In Pirna-Posta lebte Daniel Traugott Stohn mitte des 19. Jahrhunderts sowie bis heute seine Nachfahren.

Pirna Teufelserker

Das Teufelserkerhaus

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Blick auf Pirna von den Weinbergen in Pirna-Posta elbabwärts Richtung  Dresden (etwa 20 km weiter).Hier in Pirna-Posta war auch Daniel Traugott Stohn mitte des 19 Jahrhunderts Besitzer eines Weinberges.Unmittelbar hinter dem Betrachter liegt das auf dem unteren Foto gezeigte Elbsandsteingebirge mit seinen steilen Hängen. Die Burg Sonnenstein oben links liegt noch auf den letzten Berg, bevor wieder die flache Landschaft beginnt. Bildmitte die Kirche St. Marien, sowie rechts davon das Rathaus. Bild entstand um 1752.

Elbsandsteingebirge 3

Blick auf die Elbe in der sächsischen Schweiz. Das Elbtal ist schmal u. eng u. wird auf beiden Seiten von felsigen Hängen flankiert. Bei Pirna ist der letzte günstige Elbübergang. Diese Umstände führten vermutlich zur Gründung der ersten Befestigung u. Entstehung eines leicht zu kontrollierenden Knotenpunktes mehrerer Handelswege.

Marktplatz u. Altstadt

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Marktplatz Pirna gemalt von dem italienischen Maler Canaletto. Das Bild zeigt die Stadt um 1752.    

Pirna City Marktsicht 1
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Rathaus Pirna über 600 Jahre alt. Im Mittelalter diente es als Verkaufsstätte der Tuchmacher, Schuster, Bäcker u. Fleischer.

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MarktplatzPirna

Marktplatz von Pirna heute, kaum verändert seit 300 Jahren

Marktplatz Pirna, links Rathaus, rechts mitte Kirche St. Marien. Aus gleicher Richtung photographiert,  aus der Canalotti 250 Jahre vorher sein links gezeigtes Gemälde malte. Wie damals steht auch heute noch jedes Haus.

Vom fast rechteckigen (leicht trapezförmigen) Markt gingen rechtwinklig die Straßen ab. Dieses System ist mit einem Schachbrett vergleichbar. So verliefen viele Wege der Stadt von Ost nach West sowie von Nord nach Süd parallel. Nur um die Kirche herum waren die Gassen etwas unregelmäßiger angelegt. Ursachen dafür waren aller Wahrscheinlichkeit nach der Anstieg zum Burgberg und bereits vorher existierende Ansiedlungen. Dieses Straßennetz ist noch heute in der Altstadt vorhanden. Die Burg (heute Schloss Sonnenstein) lag hoch über der Stadt. Sie soll schon vor ihrer urkundlichen Erwähnung (1269) bestanden haben.

Schloss bez. Burg Sonnenstein u. die Stadtbefestigung

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Schloss Sonnenstein

Pirna alte Karte

Schloss Sonnenstein, Postkarte von 1904

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Schloss bez. Burg Sonnenstein 1752. Blick von der Burg über die Stadt Pirna bis auf die gegenüberliegende Seite der Elbe.

Der Name "Sonnenstein" bürgerte sich erst durch das Wirken als Festung im 18. Jahrhundert ein. Sein heutiges Aussehen erhielt das Schloss erst im 19. und 20. Jahrhundert. Ürsprünglich wurde hier vermutlich eine slavische Burgwarte gegründet, welche später zur Burg ausgebaut wurde. 1269 wurde die Burg das erste mal erwähnt. 1756 im 7jährigen Krieg wurde die Burg von Friedrich dem Großen erobert. Die Burg hat spätestens ab diesem Zeitpunkt keine strategische Bedeutung mehr, da auf Grund neuentwickelter Geschütze die Burg von der höherliegenden Cunersdorfer Hochebene bequem unter Beschuß genommen werden konnte. In den späteren Jahren wurde die Burg zum Schloss umgebaut. Übrigens war hier Friedrich Wilhelm Stohn (geb.1808 u. Nachfahre von Jonas Stohn) als Pförtner tätig.                            Nach 1405 wurde Pirna mit einer ca.10 m hohen Stadtmauer umgeben, durch die 4 Tore führten. Ab 1811 wurden die Mauern u. die Tore nach u. nach entfernt.

Kriege

Bis zum 30jährigen Krieg war die Stadt auf Grund ihrer Burg u. Wehranlage von Kriegen verschont geblieben. 1405 wird Pirna von den Hussiten vergeblich belagert. So traf es sie im 30 jährigen Krieg jedoch besonders hart. Nach wenigen Jahren war die Stadt hoffnungslos überfüllt mit protestantischen Flüchtlingen aus Böhmen, 1629 wurden über 2000 gezählt. 10 Jahre später, am 23.April des Jahres 1639, eroberten u. besetzten die Schweden Pirna, verwüsteten die Gebäude vor den Toren der Stadt, plünderten die Innenstadt u. töteten viele Bürger. Nur die Festung Sonnenstein konnte sich halten. Die Besetzung der Stadt dauerte bis zum September 1639. Dann zogen die Schweden ab. Dieses Jahr u. seine Ereignisse gingen als pirnisches Elend in die Geschichte ein. Von den Bürgern überlebten nur etwa ein Drittel. Zu diesen Überlebenden zählte auch Jonas Stohn. Sein 1. von 4 Söhnen,  Johannes, wurde schon 1640, also ein Jahr nach der Besetzung, in Pirna geboren. Abgesehen von jenen Einschnitten, welche die Kriegszeiten u. die  Geschichte mit sich brachten, nahm die Einwohnerzahl von Pirna eine stürmische Entwicklung. Die 1547 ausgewiesene Zahl von ca. 600 Bürgern hatte sich im 19. Jh verzehnfacht.          

Kirche St. Marien

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Kirche St. Marien

Hinter dem Marktplatz steht die Stadtkirche St. Marien. Im 1300 Jahrhundert erfolgte der Erstbau. 1466-1478 wurde der gotische Neubau erstellt. Davon erhalten ist nur der 60m hohe Kirchturm. 1502-1546 wird die heutige Kirche auf der alten errichtet, die dann abgerissen wurde. Um 1520 wurde die Sandsteinkanzel erbaut. 1561 erhält die Kirche den hier abgebildeten Taufstein.In diesem Taufstein dürften schon viele Stohns getauft worden sein, wie auch über 2 Jahrunderte die Nachfahren von Jonas Stohn, angefangen von Johannes Stohn 1640 bis Carl Gustav Stohn 1845.

                                                                          

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Kirche St. Marien

Taufbecken St. Marien Pirna klein

Taufstein der Kirche St. Marien seit 1561 (Vergrößerung auf Bild klicken)

In der Kirche St. Marien wurde 1735 Johann Christoph Stohn, 3. Sohn vom oben genannten Jonas, nach 50 jähriger Ehe eingesegnet u. feierte seine goldene Hochzeit. Mein Vater,  Günther Stohn, der die Nachforschungen nach seinen Vorfahren anstrengte, erhielt 1971 folgenden Brief vom Pfarramt St. Marien:                 

Sehr geehrter Herr Dr. Günther Stohn,                                            nachdem ich Ihnen die letzten Urkunden mit der Aufstellung Ihrer Ahnen zugestellt hatte entdeckte ich im 2.Teil des Taufbuches, in dem “Copulation u. Trauungs- Register”, einen Eintrag, der die ganze Seite ausfüllt, von der Einsegnung des Paares Johann Christoph und Anna Christinen Stohn (geheiratet am 06.Mai 1685) nach 50 jähriger Ehe. Mir ist nie wieder ein solcher Eintrag begegnet. Wahrscheinlich kam in jener Zeit eine goldene Hochzeit sehr selten vor. Die Form der Abfassung spiegelt das Ansehen des Jubelpaares innerhalb der Pirnaer Bürgerschaft wieder.”                

Johann Christoph Stohn wurde 1657 in Pirna geboren u. ist 1736 im Alter von 79 Jahren in Pirna gestorben. Er hatte 5 Kinder.

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Innenansicht der Kirche St. Marien

Blatt

 Weiterer Link zur Geschichte Pirnas von H Jensch

Vögel fliegend
Tunnelsch
Ritter
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